Bandhani und Seide

 

Abbinden - Tying

Die angewandte Technik ist allgemein unter dem englisch-sprachigen ausdruck "tying & dying" bekannt.

Der Prozess

Der weiße, meistens ungebleichte Stoff wird vor dem Abbinden in zwei Schichten gefaltet. Zur Zeit sind zwei Verfahren im Gebrauch, von denen das erstere noch ganz mit herkömmlichen Materialien auskommt: Ein Rangara (Färber) markiert zuerst mit einer Schnur, die in eine auswaschbare Farblösung (in Kutch als Geru bekannt) getaucht 'ist, die grossen Flächen. Geru ist eine wässrige Lösung aus Rötel (rotem Ocker). Dann stempelt er mit dem Geru-getränkten Druckblock die einzelnen Muster auf. Lücken zwischen den Verbindungsstellen werden mit einem Bambussplitter nachgezeichnet. Eine viel schnellere und präzisere Methode setzt sich jedoch immer mehr durch: Man fertigt eine dünne, durchsichtige Plastikschablone mit Löchern im gewünschten Design an, legt diese auf den Stoff und reibt mit einem Geru-getränkten Lappen oder Schwamm darüber, wobei sich das Muster auf dem Untergrund abzeichnet.

Design auf Seide

Nach dem Übertragen des Designs oder Musters wird das Gewebe an Frauen verteilt, um es entsprechend des Musters abzubinden. Das Abbinden wird meistens in Heimarbeit von Frauen und Mädchen ausgeführt. Die Kenntnisse werden innerhalb der "khatri" (Werkgemeinschaft) immer von der Mutter an die Tochter weitergegeben. Je nach Material, das abgebunden werden soll (Seide oder Baumwolle), wird das Garn entsprechend ausgewählt.

Die Frauen sind über die ganze Region in vielen Dörfern verteilt. Das Abbinden kann zwei Wochen dauern, aber auch, in Abhängigkeit von der Komplexität des Designs und der Anzahl der abzubindenden Punkte, bis zu einem Jahr betragen.

Nakhalia Bandhani-Technik

Bei dem lose auf dem Schoß liegenden Stoff wird das Material mit einfachem Baumwollgarn abgebunden. Dazu wird der Stoff von unten mit dem langen, spitzen Fingernagel des kleinen Fingers hochgeschoben (oder mit der Nakhalia - ein Ring, auf dem ein Dorn sitzt) und der entstandene Stoffwulst schnell sechs- bis achtmal umwickelt.

Bandhani-Technik Abbinden

Dann wird der Faden ohne Abschneiden zum nächsten Punkt weitergeführt, bis alle Stellen, die weiss bleiben sollen, umwickelt sind.

Bandhani-Technik auf Seide

Diese Verschnürungen reservieren die Farbe vom Gewebe, und nach dem Aufwickeln zeigt sich ein Muster von kleinen weissen Ringen, deren Mittelpunkt in der Farbe erscheint, mit der zuletzt gefärbt wurde. (Das Gewebe wird immer zuerst mit der hellsten Farbe gefärbt.)

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